Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands e.V.
Loading

Vorsicht Korrekturgefahr: Silber im Kaufpanik-Modus!

Beitragsdatum: 
15. Dez 2010

Wer die seit 2001 laufende Edelmetallhausse Revue passieren lässt, erkennt leicht, dass den Aufwärtsschüben regelmäßig die Kraft ausging, sobald der Silberpreis 50% über seinem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt (200er GD) notierte. Derzeit stehen wir erneut an einem solchen kritischen Punkt. Worauf sollten Silber-Investoren daher jetzt achten?
 
Im Euro-Chart klar zu sehen, wie weit sich der Silberpreis mittlerweile vom 200er GD bei ca. 15 ½ Euro entfernt hat (49%). Die aktuelle Kaufpanik hat damit das Niveau von 2004 (41%) und 2008 (35%) bereits klar hinter sich gelassen. Ausgehend vom 2006er Hausse-Schub (62%) ergäbe sich noch etwas Luft für einen Anstieg auf 25 – 27 Euro je Unze. Doch eines ist klar: das Risiko einer größeren Korrektur sollte derzeit nicht mehr auf die leichte Schulter genommen werden.

Chart

Euro-Krise unterstützt die Silberhausse - langfristig

Sicher, die langfristigen, fundamentalen Aussichten für Silber bleiben angesichts der fortschreitenden, vollkommen ungelösten Euro-Krise und Ben Bernankes Inflationspolitik weltweit selbstverständlich intakt. Doch obwohl das Misstrauen gegenüber dem Papiergeldsystem während der gesamten, bald nun schon zehnjährigen Edelmetall-Hausse stetig gestiegen ist und auch die Möglichkeiten für die Chinesen, Gold und Silber privat zu erwerben, laufend gelockert wurden, hat dies weder die 2004er Korrektur (-32%) noch die Korrekturen in 2006 (-40%) oder 2008 (-48%) verhindert. Es ist wahr, dass Silber im Anschluss an diese Korrekturen jedes Mal neue Höchststände erreicht hat. Insofern zeigte sich der Silbermarkt selbst gegenüber den unvernünftigsten „Investoren“, die jedes Mal zum Jahreshöchstkurs gekauft haben, gnädig. Über die zurückliegende Dekade konnte man mit dieser „Strategie“ seinen Einsatz sogar verdreifachen. Allerdings um den Preis erheblicher, emotionaler Belastungen. Wer stattdessen zu den Jahrestiefstkursen zuschlug kommt auf eine Vervierfachung. Sie sehen: Geduld zahlt sich in der Regel aus. (PS: Ich weiß, die Tiefstkurse schaffen nur Genies und Lügner! Hier geht es nur darum, zu zeigen, dass es gute und weniger geeignete Kaufzeitpunkte gibt.)

Chart

Silber jetzt verkaufen?

Sollten Silberfans ihre Gewinne nun „versilbern“ bzw. „verpapieren“? Um es klar zu sagen: Solange die Überschuldungskrise ungelöst bleibt, werde ich mich von keiner einzigen Unze trennen. Allerdings werde ich auf dem aktuellen Niveau auch keinerlei Zukäufe mehr tätigen. Selbst ein Blick in die große Hausse der 70er Jahre offenbart, dass es damals nur in 1974 und 1980 noch größere Kaufpaniken als heute gab. Ich gehe davon aus, dass wir uns noch nicht am Ende der Edelmetallhausse befinden. Daher halte ich eine Übertreibung wie 1980 derzeit für recht unwahrscheinlich. Wenn wir nun 1974 als Beispiel nehmen, dann wäre in den kommenden Wochen noch ein Anstieg bis auf circa 34 Euro (+54%) vorstellbar – allerdings kam es damals im Anschluss zu einer 40%-Korrektur (z.B. von 34 zurück auf 20 Euro). Also selbst in diesem Fall stehen die Chancen auf im Vergleich zum aktuellen Preisniveau nochmals günstigere Nachkaufgelegenheiten gar nicht so schlecht. Wer bereits über ausreichende Bestände verfügt und trotz aller in Edelmetallkreisen fast schon zum guten Ton gehörenden Panikmache in der Lage ist, sich in Geduld zu üben, der sollte sich den Luxus gönnen, die aktuelle Kaufpanik auszusitzen. Wer trotz meiner Ausführungen vom Kauffieber gepackt bleibt, könnte immer noch nach Alternativen im Edelmetallmarkt schauen, bei denen der Ausbruch aus der Korrektur noch jung ist bzw. gar noch bevorsteht.

Herzliche Grüße und achten Sie immer auf den Trend!

Daniel Haase
www.HaaseundEwert.de

Über den Autor:
Daniel Haase (Jahrgang 1976) ist Anlagestratege eines Trendfolge-Investmentfonds und freier Redakteur. Für das von ihm und Gerd Ewert entwickelte Handelssystem wurden beide 2009 mit dem VTAD Award ausgezeichnet. Ihre regelmäßig aktualisierten, branchen- und länderspezifischen Analysen können über den Premium Trendfolger Börsenbrief (www.HaaseundEwert.de) kostenfrei verfolgt werden.

 

Autoren: 
Daniel Haase