Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands e.V.

Die wirkliche Revolution im Ölmarkt

Beitragsdatum: 
11. Mär 2011

Seit Anfang dieses Jahres hat sich die Dynamik des Ölpreisanstieg verschärft. Die Medien konzentrieren sich auf eine einzige scheinbare Ursache: Die Freiheitskämpfe im Nahen Osten, die hierzulande häufig als „Unruhen“ klassifiziert werden. Es ist unumstritten, dass diese politischen Entwicklungen zumindest einen temporären Einfluss auf die Preisentwicklung haben. Viele Investoren sind auf die nun offen zu Tage tretende Instabilität der Angebotsseite aufmerksam geworden. Dennoch wäre die Behauptung, dass die Entwicklungen in Nordafrika Schuld für die steigenden Notierungen sind, einfach viel zu kurz gedacht, denn die wirkliche Revolution auf dem Erdölmarkt vollzieht bereits seit mehreren Jahren auf der Nachfrageseite.
 
Westeuropäischer Durchschnittsverbrauch bei über 2.500 Liter
Im Industriezeitalter ist Erdöl „der“ Schmierstoff der Weltwirtschaft. Wir Westeuropäer verbrauchen zwischen 2.500 und 2.900 Liter pro Kopf und Jahr, die US-Amerikaner sogar bis zu 4.000 Liter. Der Durchschnittsverbrauch der Chinesen und Inder liegt derzeit erst bei ca. 300 bzw. 150 Liter. Die Erfahrungen aus der Zeit des industriellen Aufstiegs Japans und Südkoreas legen die Vermutung nahe, dass sich diese Werte bis zum 2020 mehr als verdoppeln könnten. Ihr Anteil am Weltölkonsum, der bereits zwischen 2002 und 2010 von 9 auf 15% stieg, würde in diesem Szenario auf über ein Viertel klettern.
 
Steigende Nachfrage trifft auf stagnierendes Angebot
Es gibt seriöse Analysen, die davon ausgehen, dass die Erdölproduktion derzeit ihr globales Maximum überschreitet und über die kommenden Jahre sogar sukzessive schrumpfen wird (Stichwort: PeakOil). Doch selbst wenn wir davon ausgehen, dass bis 2020 die Produktion um weitere 10% gesteigert werden kann, wird es massive Probleme geben. Der Welt wird zwar nicht das Öl, wohl aber das billige Öl ausgehen. Die Entwicklungen in Nordafrika mögen kurzfristig den Ölpreisanstieg akzentuiert haben, der langfristige Hausse-Trend speist sich aber aus den hier dargelegten Gründen.

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Abb. 2: Die aktuelle Öl-Silber-Ratio notiert derzeit in der Nähe der seit der Jahrtausendwende gesehenen Tiefs. Dies spricht dafür, dass in Relation zueinander Öl derzeit billig und Silber teuer ist.
Quelle: Haase & Ewert
 
Öl in Gold und Silber spottbillig
Während Öl in Euro und Dollar teuer erscheinen mag, zeigt der Blick auf die Notierungen in solidem Geld, also Gold und Silber, dass es derzeit im Grunde spottbillig ist. Seit der Jahrtausendwende schwankte der Preis für ein Fass der Nordseemarke Brent zwischen drei und zehn Unzen Silber. Aktuell beträgt die Ratio preiswerte 3,36. In Gold fluktuierte der Preis – mit Ausnahme der 2009er Krise zwischen zwei und fünf Gramm, derzeit steht er bei 2,5. Im Rohstoff-Spiegel 26/2010 vom 25. Dezember rieten wir Investoren, statt auf das überhitzte Silber besser auf Öl zu setzen. Auch wenn Silber vollkommen entgegen unserer Erwartungen nochmals zu einem Hausse-Schub (+19%) ansetzte konnte, hielt der Preisanstieg mit dem von Öl (+23%) nicht Schritt.

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Abb. 3: Die aktuelle Öl-Gold-Ratio notiert ebenfalls derzeit in der Nähe mehrerer seit der Jahrtausendwende gesehener Tiefs. Nur während der großen Rezession 2009 lagen die Preise deutlich niedriger. Zum 2005er und 2008er Hoch bei knapp 5 Gramm Gold müsste sich Öl in Gold gemessen verdoppeln. Dies spricht u. E. dafür, dass in Relation zueinander Öl derzeit billig und Gold teuer ist.
Quelle: Haase & Ewert
 
Für die kommenden Monate gehen wir davon aus, dass sich Öl gute Chancen hat, sich in Gold und Silber weiter zu verteuern. Im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung vieler Schwellenländer führt langfristig ohnehin kein Weg an steigenden Energiepreisen vorbei. Investoren sollten sich daher nach interessanten Anlagemöglichkeiten in diesem Sektor umschauen.
 
Vortragstermine im März 2011
Unsere aktuelle Vortragsrunde steht unter dem Titel „Euro in Not: Wohin mit meinem Geld?“. Wir laden die Abonnenten des Rohstoff-Spiegel herzlich zur Teilnahme an unseren Vorträgen in Freiburg (14.03.), Regensburg (15.03.) und Stuttgart (17.03.) ein. Details finden Sie auf unserer Internetseite (www.HaaseEwert.de). Um Voranmeldung per eMail wird gebeten.
 
Über die Autoren:
Daniel Haase und Gerd Ewert sind Fondsmanager und freie Redakteure. Das von ihnen entwickelte Trendfolgesystem wurde 2009 mit dem VTAD Award ausgezeichnet. Die vollständige Version dieses Artikels kann im Premium Trendfolger Nr. 9/11 gelesen werden. Kostenfreies Abo auf www.HaaseEwert.de

Autoren: 
Daniel Haase und Gerd Ewert