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Kapitalanlagen vor Krisen schützen: Statistiker entwickeln neue Handelsstratetgien für Portfolios
Beitragsdatum:
16.05.2011
Informationsdienst Wissenschaft (idw)
Dr. Josef König
Pressestelle Ruhr-Universität Bochum20 Prozent bessere Rendite in der Krise: Preis der Vereinigung technischer Analysten
Die Wertentwicklung von Kapitalmarktanalagen unterliegt vielen Einflüssen. Problematisch sind besonders plötzlicher Extremereignisse wie der Zusammenbruch der Lehman Bank, den viele Anleger empfindlich zu spüren bekommen haben. Zum besseren Schutz eines Anlagenportfolios schlagen Dr. Nicolai Bissantz (Lehrstuhl Mathematik III der RUB), Dr. Matthias Arnold und Dr. Dominik Wied (TU Dortmund) und Dr. Daniel Ziggel (quasol GmbH, Spin-Off des Lehrstuhls Mathematik III der RUB) eine Handelsstrategie vor, die in schlechten Zeiten wesentlich bessere Ergebnisse erzielt. Dazu entwickelten die Wissenschaftler zwei statistische Testverfahren, die die Wertentwicklung von Kapitalmarktanlagen kontinuierlich auf plötzliche Änderungen im Verhalten testen. In Simulationen einer Krise erzielten sie damit knapp 20 Prozent bessere Renditen als Standardportfolios. Die Ergebnisse der Arbeit wurden von der Vereinigung der technischen Analysten in Deutschland mit dem 3. Platz des VTAD-Award ausgezeichnet.
Die Preisträger (vl.): Dr. Gregor Bauer (Vorstandsvorsitzender, VTAD e.V.), Dr. Manfred Dürschner (1. Preis), Joachim Lenz (2. Preis), Dr. Daniel Ziggel (Quasol), Dr. Dominik Wied.Mathematik als Schlüssel zum Erfolg
Die Vorgänge am Kapitalmarkt erscheinen nur auf den ersten Blick zufällig. Bei einer genauen Analyse stellt sich heraus, dass sie auf verschiedene Weise mathematischen, insbesondere wahrscheinlichkeitstheoretischen Regelmäßigkeiten unterliegen. Banken und andere Akteure betreiben daher einen erheblichen mathematischen Aufwand, um bessere Prognosen der zukünftigen Entwicklung zu erreichen. Eine erhebliche Schwierigkeit ist die Entwicklung von mathematischen Modellen für Ausnahmesituationen wie die neueste Finanzkrise. Während man in ruhigen Zeiten davon ausgehen kann, dass wichtige Kenngrößen wie die zufälligen Schwankungen einzelner Werte sowie die Korrelationen untereinander einer ruhigen, oft nahezu konstanten Entwicklung folgen, ändern sich diese Kenngrößen bei unvorhersehbaren Ereignissen schlagartig. Zum Schutz gegen große Verluste bei solchen Ereignissen wird in Portfolios oft in eine gewisse Breite von Anlagen investiert. Mit dieser Diversifikation will man erreichen, dass Verluste in einem Bereich und Gewinne in einer anderen Anlage sich gegenseitig ausgleichen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine negative Korrelation dieser Anlagen, d.h. ein gegenläufiger Trend ihrer Werte. In der Finanzkrise änderte sich aber die Korrelation vieler Anlagebereiche – ihre Werte gingen systematisch in die gleiche Richtung und fielen. Auf den ersten Blick mag ein solcher 'Diversification meltdown' nur Anleger betreffen, die über so große Vermögen verfügen, dass es keinen stören sollte, wenn diese Verluste erzielen. Während dies für Privatanleger sicherlich so sein mag, ist dies dennoch ein großer Irrtum: nahezu jeder von uns ist darauf angewiesen, dass wichtige Marktteilnehmer ihre Portfolios vor Finanzkrisen schützen können: Auch das Wohl und Wehe von Versicherungen hängt davon ab, die wiederum Rentenauszahlungen und die Zahlungsfähigkeit anderer Versicherungen bestimmen.


