Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands e.V.
Loading

Candlesticks: GOLD - die Entwicklung einer Spekulationsblase

Beitragsdatum: 
23. Jun 2010
Liebe Leserin, lieber Leser, Gold glänzt heller denn je – zumindest als Buchgewinn in vielen Depots deutscher Anleger. Die Nachfrage nach sowohl physischem Gold als auch Gold-Derivaten ist ungebrochen und erlebte gar in den letzten Monaten nochmals eine Auffrischung und nahm die Züge einer Bubble an. In den Geschäftsräumen von Goldverkaufsstellen gaben sich die Kunden die Klinke in die Hand und die Server von Online-Gold-Shops brachen zeitweise unter dem Ansturm der Käufer zusammen. Rekordumsätze erlebte auch in den letzten Monaten „Xetra-Gold“. Eher bescheiden waren hingegen die Zuwächse aus charttechnischer Sicht. Im Mai 2010 konnte der Goldpreis zwar ansteigen, die Dynamik hinkte jedoch der allgemeinen Gold-Euphorie hinterher und auch im laufenden Monat zeigen sich derzeit eher fehlende Anschlusskäufe, nachdem der Goldpreis in USD ein neues Hoch in der langfristigen Aufwärtsbewegung erreicht hat.

Gold im intaktem langfristigen Aufwärtstrend

Auch wenn das Sentiment damit einige Warnsignale liefert - charttechnisch ist trotzdem derzeit von steigenden Kursen auszugehen. Hierzu ein Rückblick: Vor rund einer Dekade erreichte der Goldpreis Tiefs im Bereich 252 USD – und startete seitdem eine langfristige Aufwärtsbewegung, die sich aus charttechnischer Sicht ab dem Jahre 2005 noch beschleunigte in Form eines steilen, aber sehr breiten und somit schwankungsintensiven Aufwärtstrendkanals.

Monatskerzen Gold :
Chart

Die obere Begrenzung dieses Trendkanals notiert gegenwärtig bei ca. 1.400 USD und die untere Aufwärtstrendlinie des Trendkanals verläuft aktuell bei ca. 820 USD. Mit einem neuen Hoch in der Aufwärtsbewegung stellt die obere Begrenzung des breiten Aufwärtstrendkanals das Kursziel dar, mithin kann auch im Zeitablauf ein Kursziel von ca. 1.500 USD abgeleitet werden. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf meinen Artikel in der Börsen-Zeitung vom 06. Januar diesen Jahres verweisen. Favorisiert wurde zu Jahresbeginn eine Seitwärtsbewegung mit anschließend steigenden Kursen mit Kursziel 1.500 USD – an diesem Kursziel kann daher mit der aktuellen Entwicklung festgehalten werden.

Kreuzwiderstand als zusätzliches Indiz

Zudem kann innerhalb des seit 2005 verlaufenden langfristigen Aufwärtstrendkanals ein weiterer, engerer Aufwärtstrendkanal seit Oktober 2008 konstruiert werden. Die Kreuzung dieser zwei Aufwärtstrendkanäle stellt aus Sicht der Chartanalyse ein weiteres Indiz für steigende Kurse dar, da in der Regel entsprechende „Kreuzwiderstände“ in intakten übergeordneten Aufwärtstrendkanälen die Kurse nach oben ziehen. Damit wären mit Break des letzten Hochs vom Dezember 2009 bei 1.225 USD auch dynamisch ansteigende Kurse eigentlich wahrscheinlich gewesen.

Was derzeit allerdings fehlt, um vollkommen euphorisch in Gold zu investieren, ist eben gerade die mangelnde Aufwärtsdynamik im Mai und Juni 2010, nachdem das Dezember-Hoch überschritten wurde. Auch zur Vorsicht mahnt, dass trotz der vielfachen Empfehlungen von Goldkäufen und der vermeintlichen Inflationsgefahren der Goldpreis nur moderat ansteigen konnte und in den letzten Tagen nach Break eines Widerstandsniveaus bei ca. 1.250 USD keine weiteren Anschlusskäufe einsetzten. Bestehende Longpositionen sind daher strikt abzusichern.

Tageskerzen Gold :

Chart

Die Tageskerzen zeigen in USD einen Fehlstart über den letzten Widerstand bei 1.250 USD. Ein erstes Warnsignal, denn der abgeschlagene Ausbruchsversuch auch aus einem ansteigenden Dreieck könnte sich nun als deutliches Fehlsignal entpuppen. Insbesondere ein Break der 1.225 und nachfolgend dann der runden 1.200er Marke wären zumindest kurzfristige Verkaufssignale, Ziel wäre dann der seit Februar 2010 konstruierte Aufwärtstrend.
 

Jeder Trend geht zu Ende

Ungeachtet der fundamentalen Rahmenbedingungen und des aktuellen Sentiments lautet die erste Börsenregel stets: The trend is your friend. Und in einem intakten Aufwärtstrend sind Rücksetzer zu kaufen als auch neue Hochs als Kaufsignal anzunehmen. Denn letztlich weiß niemand, wie lange ein Trend anhält. Doch ebenso sicher wie das Amen in der Kirche ist, dass jeder Trend einmal zu Ende geht. Ein Trend ist allerdings erst dann definitiv zu Ende, sofern auch der zugrundeliegende Aufwärtstrend verlassen wird. Da im Goldpreis in USD derzeit zwei langfristige Aufwärtstrends vorliegen, sind langfristige Longpositionen gestaffelt abzusichern. Ein erstes Verkaufssignal aus langfristiger Perspektive ergäbe sich bei einem Fall unter ca. 1.145 USD – in diesem Szenario würde der seit 2008 bestehende Trend gebrochen. Weitere Verkaufssignale ergeben sich bei einem Break der runden 1.000er Marke als wichtige psychologische Orientierungsmarke sowie letztlich bei einem Break des seit 2005 verlaufenden Aufwärtstrends, der gegenwärtig bei ca. 820 USD notiert.
 

Inflation als Schreckgespenst

Abschließend noch ein Wort zu den Inflationsaussichten, die gern als Argument für Goldkäufe betrachtet werden. Die aktuelle Geldpolitik der Notenbanken beeinflußt eher die Geldmenge – ein Anstieg der Geldmenge führt aber nicht zwangsläufig zu Inflation. Nur Warenknappheit in Verbindung mit ansteigender Geldmenge ist inflationsfördernd – Gold dagegen dürfte eher verlieren, sofern sich die Angst vor Inflation und Staatspleiten abmildert. Und dies dürfte bei einer fortgesetzten Wachstumsstabilisierung eintreten. An dieser Stelle möchte ich auf meine Analyse der Umlaufrendite vom 16.06.10 in der Börsen-Zeitung verweisen. Diese Analyse sende ich Ihnen gern als pdf-Datei auf Anfrage zu.
 

Fazit:

Charttechnisch sind die langfristigen Aufwärtstrends im Goldpreis intakt und am bisherigen Kursziel von ca. 1.500 USD bis Ende 2010 kann festgehalten werden. Zur Vorsicht mahnt jedoch das Sentiment und die mangelnde Aufwärtsdynamik nach Break der Dezember-Hochs im Mai und Juni sowie der potentielle Fehlausbruch aus einem Dreieck in den Tageskerzen. Kurzfristig negativ wäre daher ein Fall unter 1.225 und die runde 1.200 Marke. Ein entsprechender kurzfristiger Rücksetzer könnte dann am seit Februar bestehenden Aufwärtstrend jedoch aufgefangen werden. Kritisch wäre vor allem ei n Fall unter ca. 1.145 USD, da dies dann ein Verkaufssignal aus langfristiger Sicht darstellen würde und daher zu ersten Verkäufen von langfristigen Longpositionen führen sollte.

Ihr Stefan Salomon
www.candlestick.de

Anmerkung: Die Analysen dienen nicht als konkrete Handelsempfehlung. Eine Haftung für Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

 

Autoren: 
Stefan Salomon