BöZ: Bei Chemiewerten Gewinne mitnehmen

Von Frederik Altmann *)  Chemiewerten dürfte nach der atemberaubenden Entwicklung im vergangenen halben Jahr nun die Luft ausgehen. Zwar kletterte Europas Branchenindex Stoxx Europe 600 Chemicals (SX4P) Ende August über sein „Vor-Corona-Hoch“ bis auf 1 072 Punkte. Ausbruchsdynamik konnten die Titel der größten europäischen Chemiefirmen auf diesem luftigen Niveau aber nicht mehr entwickeln. Im Gegenteil bröckelten die Kurse am Ende der Rekordwoche. Nun droht eine klassische „Bullenfalle“. Die Käufer, die das Rekordhoch als klassisches Kaufsignal zum Einstieg genutzt haben, könnten von einer Korrektur überrascht werden und unter Verkaufsdruck geraten. Investoren, die von der zuvor kräftigen Erholung profitiert haben, sollten (Teil-)Verkäufe erwägen und Gewinne mitnehmen.



Hohe Hürde
Die Hochs vom Februar und August bei 1 066 und 1 072 Punkten bieten nun eine erheblich hohe Hürde für den europäischen Chemiebranchen-Index mit den Schwergewichten Linde, Yara, Air Liquide und BASF. An das Niveau vom Februar hatte sich das Barometer bereits im Juli und Mitte August schon mal herangetastet. Immer wieder erlangten die Verkäufer bei diesen Kursen aber die Überhand und drückten den Index wieder zurück. Die Hürde wurde bis zuletzt nicht nachhaltig übersprungen. Entsprechend stark wirkt nun der Widerstand, der mit jedem Test weiter an Kraft gewinnt.

Als „teuer“ empfunden
Psychologisch gesehen empfindet die Mehrheit der Anleger den Wert an einem Kurs-Hochpunkt als „teuer“. Sie verkaufen und die Kurse beginnen zu fallen. Oftmals gehen sie so lange im kurzfristigen Trend zurück, bis sie sich einem früheren Tiefpunkt annähern. An dieser Unterstützung wird der Preis wieder mehrheitlich als „günstig“ empfunden. Das Kaufinteresse steigt und übersteigt die Verkäufe und die Kurse drehen nach oben. Entsprechend bedeutend sind Extrema – horizontale Widerstands- und Unterstützungslinien – für die technische Analyse als Abbild der Massenpsychologie. Sie halten oftmals so lange, bis eine neue Information an den Markt dringt, die eine Neubewertung bringt. Entsprechend leitet sich bei einer Korrektur auch das erste Unterstützungsniveau für den Chemie-Index unterhalb von 1 000 Punkten ab. Hier hatte der Index zum Jahreswechsel einige Zwischentiefs ausgebildet. Hinzu kommt die psychologische Unterstützung der 1 000-Punkte-Marke als runde Zahl. Ohnehin muss die nachlassende Kraft kein Vorbote einer heftigen Korrektur sein.

Weit über der 200-Tage-Linie
Langfristig gesehen bewegt sich der SX4P-Index ohnehin seitwärts. Das zeigt die sehr flach verlaufende 200-Tage-Linie. Sie bildet den durchschnittlichen Wert des Index über die vergangenen 200-Tage ab und stand zuletzt bei 965 Punkten. Dieser von vielen Anlegern beachtete gleitende Durchschnitt wirkt oft wie ein Magnet auf die Kurse. Bewegen sie sich zu weit von der Linie weg, dann werden sie in der Folge förmlich wieder zurückgezogen. Das spricht auch für einen bevorstehenden Rückschlag.
Zumeist entfernen sich die Kurse nicht zu weit von ihrer 200-Tage-Linie und pendeln dann zurück in Richtung des Durchschnitts. Die unten stehende Grafik zeigt den prozentualen Abstand von dieser Linie, der beim Chemiewerte-Index regelmäßig bei etwa 10 % ein Maximum erreicht hat. Das verdeutlicht die rot gestrichelte Linie. Aktuell ist ein Niveau erreicht, das im vergangen Jahr in der Regel eine bevorstehende Korrektur angekündigt hat.
Auch die Markttechnik unterstreicht die derzeitige Kraftlosigkeit des Branchenbarometers, das sich so zunächstnicht weiter nach oben durchsetzen dürfte. Die Stochastik, die in Seitwärtsphasen dazu genutzt werden kann, potenzielle Wendepunkte zu identifizieren, hat nahe dem jüngsten Hoch ein Verkaufssignal generiert. Der Marktindikator schwankt zwischen 0 und 100 und bewegt sich definitionsgemäß über 80 im „überkauften“ und unter 20 im „überverkauften“ Bereich. Ein Handelssignal wird dann gegeben, wenn sich der Indikator aus einem dieser Extremzustände zurück in sein „normales“ Handelsband zwischen 20 und 100 bewegt. Zuletzt fiel die Stochastik aus dem überkauften Zustand zurück in den Normalbereich und hat damit ein negatives Signal gegeben.

Unterstützung nicht fern
Unterstützung liegt für den Index allerdings nicht fern. Ein neuerlicher Kurseinbruch wie im Februar zeichnet sich nicht ab. Bereits vor dem oben angesprochenen Niveau um 1 000 Punkte könnte eine aufwärtsgerichtete Trendlinie bei etwa 1 040 Punkten bereits Halt bieten. Sie reicht über die jüngsten Tiefs, ausgehend von einem etwas normalisierten Niveau nach den Turbulenzen im März.
Sollten die Unterstützungen bei 1040 und 1000 Punkten nicht ausreichend Halt bieten für den europäischen Chemiewerte-Index, dann wäre die seitwärts gerichtete 200-Tage-Linie bei aktuell 965 Zählern ein nächster Anlaufpunkt. Spätestens aber eine weitere Horizontale um 915 Punkte sollte eine Korrektur aufhalten. Sie zieht sich über mehrere Extrema seit dem vergangenen Oktober.

*) Frederik Altmann ist Investmentanalyst bei Alpha Wertpapier­handel.

BöZ: Gold pirscht sich ans Rekordhoch heran

Von Frederik Altmann *)
    Der Goldpreis pirscht sich an sein Rekordhoch über 1 921 US-Dollar je Feinunze heran. Mitte 2019 hatte das gelbe Metall mit dem Sprung über 1 385 Dollar seine langjährige Seitwärtsphase nach oben verlassen. Der folgende Aufwärtstrend mit einer Serie höherer Tiefpunkte führte Gold über den wichtigen Widerstand bei 1 557 Dollar stetig weiter nach oben bis auf das aktuelle Achtjahreshoch bei 1 755 Dollar. Auch die Stellung als sicherer Hafen brachte im Zuge der Coronakrise Rückenwind. Gold wird von risikoscheuen Anlegern zunehmend gesucht und ist derzeit wieder in aller Munde.
    Fundamental stützt die Niedrigzinspolitik der internationalen Notenbanken den Goldpreis. Das Edelmetall bietet bei geringen oder gar negativen Zinsen eine gute Investmentalternative. Die Opportunitätskosten sind für Anleger gering einzuschätzen. Steigende Zinsen zeichnen sich aktuell nicht ab. Sie würden die Nachfrage nach Gold zugunsten von Anleihen belasten.
    Die global sehr expansive Geldpolitik der Notenbanken führt indes zu Inflation, die wiederum ein klassisches Kaufargument für Gold darstellt. In den Verbraucherpreisen bleibt diese zwar bisher kaum sichtbar, in Vermögenswerten ist sie dagegen schon seit geraumer Zeit sehr stark spürbar. Das zeigen beispielsweise die starken Anstiege von Aktien seit 2009 aber auch bei Immobilienpreisen.

Übergeordnetes Etappenziel
    Das Rekordhoch bei 1 921 Dollar ist das übergeordnete Etappenziel für den Goldpreis. Nicht nur psychologisch übt diese markante Zahl Anziehungskraft aus. Sie bildet aus technischer Sicht eine Schlüsselmarke: Kann der Goldpreis ein neues Rekordhoch markieren, ist das ein frisches, klassisches Kaufsignal und dürfte weiteres Interesse auf das gelbe Metall lenken. Eine dynamische Anschlussbewegung nach oben wäre zu erwarten. Prallt der Preis dagegen zunächst nach unten ab, müssten Goldinvestoren erst einmal mit einer Korrektur auf die Unterstützung bei 1 800 Dollar rechnen.
    Denn bei 1 802 Dollar liegt aktuell eine erste kleinere Hürde für den Goldpreis, die er auf dem Weg zum Rekordhoch überwinden muss. Der Widerstand resultiert aus den Zwischenhochs in den Jahren 2011 und 2012, als das Edelmetall damals entscheidend an Kraft einbüßte und nicht mehr ausreichend Käufer für einen weiteren Preisanstieg anlocken konnte. Angesichts der aktuellen Dynamik sollte das Edelmetall diese Hürde aber auf dem Weg zum Rekordhoch nun wieder überwinden können. Bei einem nachhaltigen Anstieg über 1 802 Dollar wandelt sich der Widerstand aus technischer Sicht zur Unterstützung. Das begründet sich aus der Massenpsychologie, an der sich technische Analyse ausrichtet. Viele Anleger, die den ersten Anstieg über einen Widerstand verpasst hatten, nutzen ihre zweite Chance für den Einstieg bei der Rückkehr auf ein wichtiges Preisniveau.

Potenzial bis 2200 Dollar
    Eine weitere technische Überlegung verstärkt indes die Signifikanz dieser Marke: Bei 1 802 Dollar liegt die erste Fibonacci-Extension der besonders prägnanten Ausbruchsbewegung in das Jahr 2019 hinein. Mit dem im Chart lila gekennzeichneten Anstieg hatte das Edelmetall seine langjährige Bodenbildung nach oben verlassen können. Aus dieser Bewegung lassen sich Kursziele ermitteln. Auch wenn der Goldpreis sein bisheriges Rekordhoch im aktuellen Anstieg knackt und in ein bisher nicht durchlaufenes Kursterrain – das „uncharted territory“ – vordringt. Bei einer dynamischen Anschlussbewegung sind dann mittelfristig durchaus 2 200 Dollar drin.
    Die nach dem italienischen Mathematiker Fibonacci (Leonardo da Pisa) benannte Zahlenfolge orientiert sich an dem aus der Natur abgeleiteten Goldenen Schnitt. Er wird in der technischen Analyse genutzt, um Korrekturniveaus und Kursziele zu bestimmen. Demnach werden signifikante, starke Preisbewegungen im Anschluss regelmäßig zu etwa einem Drittel, der Hälfte oder maximal rund zwei Drittel korrigiert. Damit wird neue Kraft für eine Bewegung in Trendrichtung geschaffen.
    Mit dem Überwinden des Ausgangsniveaus – dem klassischen Kaufsignal – ergibt sich für den Wert dann wieder neues Potenzial. Dieses wird wiederum regelmäßig in bestimmten prozentualen Ausmaßen abgearbeitet, den sogenannten Fibonacci-Extensionen. Demnach wird die ursprüngliche Bewegung oft zumindest um knapp zwei Drittel ausgeweitet. Ein zweites Ziel liegt bei der Verdopplung und dann bei 261,8 % des vorangegangenen Anstiegs in diesem Fall.
    Für den Goldpreis signalisiert diese Theorie ein erstes Kursziel bei 1 802 Dollar, was den horizontalen Preiswiderstand auf diesem Niveau wie beschrieben noch verstärkt. Bei einem weiteren Anstieg ergibt die Verdopplung der Ursprungsbewegung ein Kursziel knapp über dem bisherigen Rekord bei 1 954 Dollar. In dem Fall würde sich das neue Rekordhoch im Anschluss als eine „Bullenfalle“ herausstellen und erstmal Raum für eine Zwischenkorrektur als Atempause schaffen. Kann der Goldpreis aber auch diese Hürde nehmen, können Investoren ihre Kaufposition ausweiten und das mittelfristige Preisziel von 2 200 Dollar für den Preis des Edelmetalls ins Visier nehmen.
*) Frederik Altmann ist Investmentanalyst bei Alpha Wertpapierhandel.

BöZ: Reisebranche mit neuen Chancen

Von Frederik Altmann *)
    Europas Reise- und Freizeitwerte sind im Frühjahr besonders hart von der weltweiten Coronavirus-Krise getroffen worden. Mit den scharfen Reisebeschränkungen ist das Geschäft vieler Anbieter eingebrochen. Im Sog der Aktienkurs: Europas Branchenindex Stoxx Europe 600 Travel & Leisure (SXTP) verlor in wenigen Wochen fast 60 % an Börsenwert. Der ersten Panik um die Reisekonzerne folgte vorsichtiger Optimismus. Eine Pleitewelle wird wohl abgewendet und das Korsett immer weiter gelockert: Deutschland hat zu Wochenbeginn die Reisewarnung für die meisten europäischen Staaten aufgehoben, zuvor besonders schwer betroffene Reiseländer wie Spanien lassen wieder Touristen einreisen. Neuseeland registriert keine aktiven Covid-19-Fälle mehr.

Boden bekräftigt
    Der europäische Reisebranchen-Index zeichnet diese nachrichtliche Berg-und-Tal-Fahrt im Kursverlauf nach: Extreme Unsicherheit im Umgang mit der Pandemie und die schweren Auswirkungen auf Urlaubsländer wie Italien, Österreich und Spanien führte zum Ausverkauf der Sektorschwergewichte wie Lufthansa und Tui bis auf ein Indextief bei 112 Punkten Mitte März. Eine erste Entspannung mit rückläufigen Ansteckungszahlen erlaubte dann eine Erholung bei hoher Nervosität. Sie mündete in eine Seitwärtsphase des Index zwischen 160 und 171 Punkten. Dieser Trend bietet nun eine wichtige Unterstützung(szone) für den SX7P-Index. Zwei Ausbruchsversuche über den Widerstand bei 171 Punkten – der sich damit technisch zur Unterstützung wandelt – auf Zwischenhochs bei 184 und 200 Punkten hinterlassen erste Hürden für eine neue Aufwärtsbewegung. Die Unterstützung hat bereits Signifikanz gezeigt, wird nun aber auch nachhaltig auf ihre Unterstützungsfunktion überprüft. Denn im Markt bleibt die Angst vor einer zweiten Welle, die jüngst von neuen Infektionen in China verstärkt und prompt vom Rückschlag bei den Reisewerten reflektiert wurde.

Stabiler Aufwärtstrendkanal
    Dabei bewegen sich die europäischen Reisewerte derzeit im moderaten, aber stabilen Aufwärtstrendkanal (grün) nach oben. Dieser definiert sich über die Tiefs im März und Mai und ist mit der jüngsten Korrektur mit einem dritten Auflagepunkt bestätigt worden. Das insgesamt positive Chartbild wird von der Serie neuer Hochs untermauert, die eine gut definierte Rückkehrlinie des Kanals bilden. Gelingt es nun dem Stoxx Europe 600 Travel & Leisure Index, sich von der doppelten Unterstützung durch die Aufwärtstrendlinie und die Horizontale bei 171 Punkten abzustoßen, bietet die Rückkehrlinie auch das übergeordnete Kursziel nach oben.
    Zudem sind die Reise- und Freizeitwerte relativ zum noch stärker erholten Gesamtmarkt zurückgeblieben. Hieraus könnten sie nun überdurchschnittliches Potenzial schöpfen: Der Sektorindex notiert 24 % unter seiner aktuell etwas fallenden 200-Tage-Linie, die den Durchschnittskurs der vergangenen 200 Handelstage abbildet. Der breite Marktindex Stoxx Europe 600 hatte seinen langfristigen Durchschnittskurs Anfang Juni schon fast wieder erreicht.
    Bis an das übergeordnete Ziel bei 219 Punkten bieten die Reisetitel 25 % Kurspotenzial. Dort wartet mehrfacher Widerstand auf den Index. Zum einen bremst die steigende Rückkehrlinie des Aufwärtstrendkanals bei aktuell 214 Punkten. Hinzu kommt die langsam fallende 200-Tage-Linie bei derzeit 220 Zählern. Zudem hat dieses Niveau in der Vergangenheit dem Index immer wieder Halt geboten. Diese Horizontale hatte sich technisch mit ihrem Bruch ebenfalls zum Widerstand gewandelt. Anfang März gab es letztlich bei 220 Punkten einen zaghaften Stabilisierungsversuch. Der Index konnte das Niveau aber nicht halten und nahm dann kräftig Fahrt nach unten auf. Künftig sollte ein Rückschlag von diesem Niveau aber bereits an der auch psychologisch wichtigen 200-Punkte-Marke als Unterstützung aufgehalten werden.

Markttechnik warnt
    Ein nächster Anlaufpunkt nach oben liegt bei einem Fortbestehen des Erholungstrends bei 244 bis 249 Punkten. Dann würde auch die scharfe Korrektur, ausgelöst durch die Unsicherheit wegen des Coronavirus, im Wesentlichen wieder aufgeholt. Andere Branchen wie das Gesundheitswesen oder auch der Technologiesektor haben das in Europa bereits geschafft. Zudem ist auf diesem Niveau ein horizontaler Widerstand durch zwei Bewegungstiefs in den vergangenen Monaten zu erwarten. Eine danach letzte Hürde nach oben läge am jüngsten Zwischenhoch bei 268 Zählern. Angesichts der schlechten Visibilität und hohen Schwankungsfreude der Aktienmärkte müssen sich Anleger aber auch mit dem Rückschlagrisiko beschäftigen. Das Gegenszenario mit zu erwartenden Anschlussverkäufen droht beim nachhaltigen Bruch der Trendlinie und dem unteren Rand der Seitwärtsphase bei 160 Punkten. Unterhalb sollten Kaufpositionen mit einem Stopp gesichert werden. Die Markttechnik sendet mit einem frischen Verkaufssignal im MACD-Index, bei dem es zum Schnitt der Signallinie von oben nach unten kam, ein Warnsignal aus. Nach der zuletzt kräftigen Erholung in allen Indizes muss das aber nicht eine Underperformance der Reisewerte einläuten.
    *) Frederik Altmann ist Investmentanalyst bei Alpha Wertpapierhandel.

BöZ: Vorsicht bei Europas Technologiewerten

Von Frederik Altmann *)

Europas Technologiewerte – abgebildet im Branchenindex Stoxx Europe 600 Technology – könnten ihre Favoritenrolle an der Börse verlieren­. Nach der nochmals beschleunigten Aufwärtsbewegung seit Oktober 2019 droht dem Sektor nun die Luft auszugehen. Zuvor hatte sich die Branche im Kielwasser der US-Pendants monatelang ganz oben auf die Einkaufslisten der Anleger geschoben. Jetzt ist aus technischer Sicht die Hürde bei 562 Punkten der entscheidende Widerstand.

Aktien heiß gelaufen

In den vergangenen vier Monaten hat Europas Tech-Barometer bis zu 22 % zugelegt. Der umfassende Stoxx Europe 600 steht mit einem Plus von knapp 14 %  klar im Schatten­. Ein erster Rückschlag Ende Januar, der den Index von 562 Punkten in kürzester Zeit bis auf 525 Punkte gedrückt hatte, wurde Anfang Februar schnell wieder aufgeholt.

Diese Bewegung hat aber technische Bremsspuren hinterlassen. Zumal es dem Tech-Index in der folgenden Gegenbewegung nicht mehr gelungen ist, ein neues Hoch über 562 Punkten zu erreichen. Das hätte den kurzfristigen steilen Aufwärtstrend positiv bekräftigt. So steht der Index aber in luftigen Höhen, die Anleger eher zu Gewinnmitnahmen einladen.

Ein Warnsignal ist auch der große Abstand zur 200-Tage-Linie von zuletzt 12 %. In den Vorjahren wurden regelmäßig Korrekturbewegungen angekündigt, wenn die Kurse des Tech-Index prozentual zweistellig von ihrem langfristigen Durchschnittskurs abwichen.

525 Punkte im Fokus

In einer Korrektur bietet das Niveau um 540 Punkte erste leichte Unterstützung. Hier verläuft der beschleunigte Aufwärtstrend über die Tiefpunkte im Oktober und Januar. Hinzu kommt eine horizontale Unterstützung aus einigen Ex­trempunkten der Kurse seit Mitte Dezember. Kann der Index dieses Niveau bereits verteidigen, würde die im Oktober eingeleitete dynamische Aufwärtsbewegung bestätigt und das Chartbild der europäischen Tech-Werte wieder positiv.

Wahrscheinlicher erscheint aber ein Test des jüngsten Zwischentiefs bei 525 Punkten. Hier ist eine deutlich kräftigere Unterstützung für den Technologiewerteindex zu erwarten. Neben einer horizontalen Unterstützung aus mehreren Extrempunkten seit November hilft eine wichtige Fibonacci-Marke auf diesem Niveau. Diese statistische Theorie geht davon aus, dass regelmäßig­ schnelle Kursbewegungen anschließend in bestimmten Prozentspannen korrigiert werden. Die zugrundeliegende Fibonacci-Zahlenreihe basiert wiederum auf dem als Goldener Schnitt bezeichneten Teilungsverhältnis. Bei 525 Punkten liegt für den Stoxx Europe 600 Technology Index das Mindest-Korrekturziel von rund 38 % des Anstiegs von Oktober bis Januar.

Bricht die Unterstützung bei 525 Punkten, so trübt sich das Chartbild bei Europas Tech-Index nochmals kräftig ein. Anleger müssten sich für einen weiteren Kursrutsch bis auf 488 Punkte wappnen. Denn mit dem Unterschreiten dieses Zwischentiefs würde in der technischen Analyse ein „Doppeltop“ bei 562 Zählern bestätigt. Das Kursziel dieser Chartformation errechnet sich bei 488 Zählern aus ihrer Höhe von 37 Punkten, die vom Ausbruchspunkt bei 525 Punkten nach unten abgetragen wird. Auf diesem Kursniveau bietet auch eine Horizontale, die in den Sommer 2019 zurückdatiert, zusätzliche Unterstützung für den Kursindex der Technologiewerte.

Langfristiger Trend steigend

Viele Aktienhändler orientieren Kauf- und Verkaufsentscheidungen an der 200-Tage-Linie. Dieser einfache­ Durchschnittskurs der vorangegangenen 200 Handelstage wird zum einen als Hilfsindikator für den langfristigen Trend herangezogen. Dieser bleibt beim Stoxx Eu­rope 600 Technology steigend. Zum anderen sehen Börsianer diese Hilfslinie als approximatives, faires Bewertungsniveau an. Technische Analysten heben daher oft eine „Magnetwirkung“ hervor, die von diesem Durchschnitt für die Preise ausgeht. Wie oben angerissen, neigen Kurse dazu sich dieser Linie wieder anzunähern, sobald sie sich prozentual zu stark von dem Durchschnittsniveau entfernt haben.

Entsprechend kann Europas Technologiewerteindex auch bei 500 Punkten eine Korrektur beenden, bevor das rechnerische Ziel eines Doppeltops erreicht wird. Hier hilft die nicht zu unterschätzende Psychologie der runden Zahl. Anleger empfinden das Kursniveau als günstig, nachdem der Index zuletzt vor rund vier Monaten „so billig“ war. Sie kaufen, und ihr Interesse könnte den Verkaufsdruck übersteigen. Die Kurse würden dann nach oben gedrückt. Neben der 200-Tage-Linie verläuft auch eine mittelfristige, steigende Trendlinie, die Anfang 2018 startet und noch bestätigt werden muss.

Den europäischen Technologiewerten droht eine empfindliche Korrektur, wenn der Branchen­index Stoxx Europe 600 Technology am Schlüsselwiderstand bei 562 Punkten nach unten abprallt, statt diesen zügig und nachhaltig zu überwinden. Dann sollten sich Anleger aus technischer Sicht auf fallende Kurse einstellen und Gewinnmitnahmen erwägen. Die wichtigsten Unterstützungen liegen bei 525, 500 und 488 Punkten. Auch bei 540 Zählern liegt ein möglicher Halt.

*) Frederik Altmann ist Investmentanalyst bei Alpha Wertpapier­handel.

https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2020029079&titel=Vorsicht-bei-Europas-Technologiewerten

Charttechniker rechnen mit einem Dax-Anstieg auf 15.000 Punkte

https://hbapp.handelsblatt.com/cmsid/25464196.html

Gerade erst hat der Dax einen neuen Rekord markiert. Doch Charttechniker sagen im Handelsblatt-Gespräch einen weiteren Anstieg voraus – unter einer Bedingung.

Düsseldorf Am Mittwoch war es endlich so weit. Nach vielen vergeblichen Anläufen gelang dem Dax der Sprung über die Marke von 13.600 Punkten. Auf das neue Allzeithoch mussten Anleger zwei Jahre lang warten. Damit ist mehr als nur das desaströse Aktienjahr 2018, in dem der Dax um 20 Prozent gefallen war, wettgemacht.

Denn nach 26 Prozent Zugewinn im vergangenen Jahr kommt der Dax in den ersten Januarwochen auf ein weiteres Plus von drei Prozent. Doch das ist womöglich noch längst nicht alles.

Vertraut man den Aussagen von drei technischen Analysten, die das Handelsblatt zu den weiteren Perspektiven für 2020 befragt hat, dürfte sich der starke Jahresauftakt noch fortsetzen. Die Experten sehen den Dax demnach in den nächsten Monaten auf mindestens 15.000 Punkte klettern. Bedingung dafür ist allerdings, dass der Dax sein Rekordhoch länger als nur ein paar Minuten oder Stunden verteidigt – und nicht sofort wieder darunter fällt, so wie am vergangenen Mittwoch und erneut am Freitag. (…)